Worpswede 2016

Die Sonne geht auf, taucht die Landschaft in ein unwirkliches Licht. Noch kann die Welt sich nicht entscheiden, ob sie in der Dunkelheit verbleiben oder doch heller werden soll. Es ist kalt hier im kleinen Hotelzimmer, in deren Ecken noch die Schatten der Nacht lauern. Noch müde sitze ich auf dem alten Sofa, das seine besten Jahre vielleicht in den 70ern hatte, und schaue durchs Fenster.

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Meine Gedanken schweifen zurück. Gestern kam ich hier an. Hier… in Worpswede:

 

Diesmal bin ich sogar zeitlich von Zuhause losgefahren, kam aber trotzdem nicht pünktlich an, da ich wieder mal die Rush-Hour in Bremen unterschätzt hatte. Es war schon dunkel, als ich mein kleines Hotelzimmer betrat… und gleich wieder verließ, um es zu reklamieren. Das Rauschen der Heizungsrohre war doch sehr störend. Ich bekam das Zimmer nebenan, und es war zufälligerweise das, das ich bei meinem ersten Aufenthalt hier vor einigen Jahren bekommen hatte. Irgendwie schien die Zeit stehengeblieben zu sein; es hatte sich hier nichts verändert. Weiterhin stand in der Ecke der kleine Röhrenfernseher (!), im Badezimmer wurde auf einem Hinweisschild noch in DM auf evtl. auftretenden Reparaturen hingewiesen.

Trotzdem musste ich mich beeilen, hatte ich doch eine Verabredung. Vor einigen Wochen schrieb mich Ina an. Sie bewundert meine Fotos von Ray Wilson (ich schreibe, wie es ist) und hatte technische Fragen zu meiner Fotografie. Es entwickelte sich ein reger Mailverkehr. Als klar wurde, dass wir beide Karten für das Konzert von Ray hier in Worpswede hatten (für alle, die es bisher noch nicht erraten haben sollten: Ray Wilson, seines Zeichens u.a. Ex-Sänger der Gruppe GENESIS, gab hier in Worpswede ein alljährliches Konzert), verabredeten wir uns einige Stunden vor Konzertbegin in einem kleinen Restaurant unweit von meinem Hotel.

Dort traf ich mich also mit Ina mit ihren Mann Hartmut. Und wie es so ist, wenn man in angenehmer Gesellschaft ist, verflog die Zeit rasend schnell, und so begaben wir uns alsbald zur Music Hall.

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(Music Hall in Worpswede)

Neben den wirklich genialen Shows, die Ray hier jährlich abliefert, ist ein weiterer Hauptgrund hierher zu kommen, der, die anderen „Verrückten“ zu treffen. Deshalb ist das Treffen hier in Worpswede für mich sowas wie ein Jahresabschluss. Das Jahr liegt hinter mir, ich befinde mich in der für mich richtigen Jahreszeit, besuche eine mehr als coole Location, gekrönt mit einem wirklich genialen Konzert und treffe Freunde und Bekannte, die ich sonst im Jahr nicht sehe.

Einige von ihnen standen schon vor dem Eingang.

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Einige Zeit später war Einlass, und ich betrat die MusicHall. Und wieder konnte ich mir ein Lächeln nicht verkneifen, als ich inmitten des Raumes stand und die Atmosphäre in mich aufsog. Diese Location hier atmete Rock ´n Roll, strahlte wie ein Echo die Anwesenheit und Musik der vielen Künstler aus, die als unzählige Plakate und Fotos an den Wänden hingen.

Diesmal hatte ich vor, mich wieder direkt an die Bühne zu stellen, um Fotos zu machen. Zum einen, weil ich es das letzten Mal vermisst habe, direkt am Ort des Geschehens zu sein, zum anderen, um Ina den einen oder andern Tipp zum Fotografieren zu geben. Hier am Bühnenrand traf ich dann auch die anderen.

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(Ina, ich und Hartmut)

Dann wurde ich plötzlich von einer mir unbekannten Frau angesprochen, ob ich denn Christian Baltrusch sei. Ich bejahte, und sie erklärte mir, dass sie mein Buch Zuhause auf ihren Schreibtisch liegen hätte, um immer wieder mal darin rumzublättern.

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(Wer findet das Buch?)

Es passiert mir schon hin und wieder, dass ich auf meine Fotos und/oder Buch von mir fremden Leuten angesprochen werde. Ich müsste lügen, würde ich behaupten, dass es mir unangenehm sei, trotzdem werde ich mich wohl nie daran gewöhnen. Es tut doch verdammt gut, wenn meine Arbeiten Anklang finden. So etwas motiviert ungemein. Vielen Dank an alle, die mir bisher Feedback gegeben haben und es (hoffentlich) noch tun werden.

Dann begann das Konzert, und ich das Fotografieren:

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Nach dem Konzert trafen wir uns mit einigen Musikern vor der Bühne. Auch das gehört hier einfach dazu: das unkomplizierte Zusammensein von Fans und Künstlern. Ich habe das Gefühl, dass es hier in Worpswede nochmal intensiver ist, als auf anderen Konzertorten, wo wir uns treffen.

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(Man achte auf Lawrie MacMillan in den Hintergrund)

 

Irgendwann um 1.30 Uhr, das Equipment auf der Bühne war schon fast abgebaut, löste sich so langsam die Gruppe auf. Jetzt ging es zurück ins Hotel. Dort machten sich der harte Kern noch in einem kleinen Zimmer im Erdgeschoß gemütlich, um den Abend mit Knabberzeug und Trinken ausklingen zu lassen.

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(Alljährliches Ritual)

Ich verabschiedete mich irgendwann und begab mich in mein Zimmer. Dort fiel ich ins Bett und war sofort weg…

 

Mittlerweile ist es hell geworden. Ich stehe auf, um mich zum Frühstück mit den anderen zu treffen. Ich freue mich auf den Kaffee, der hier wirklich sehr gut schmeckt. Ich ziehe die Tür hinter mir zu.

Bis nächstes Jahr…
Meine Webseite: Baltrusch-Photo

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Über Baltrusch Photo

Leidenschaftlicher Fotograf.
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