Zu Besuch beim Radioteleskop in Effelsberg

Meine Maps-App sagte mir eine Fahrtzeit von knapp 2 Stunden voraus. Da ich lieber immer etwas Zeitpuffer habe, entschied ich mich, insgesamt 3 Stunden einzuplanen. Wie gut diese Entscheidung war, sollte ich noch leidlich erfahren. Mein Ziel war das Radioteleskop in Effelsberg. Dort hatte der Verlag „Spektrum der Wissenschaft“ seine Leser zu einer Exkursion am Radio-Observatorium eingeladen.

Zuerst kam ich gut durch. In meinem Auto lag ein gebügeltes Hemd, das ich erst vor Ort anziehen wollte, damit es nicht vom Sitzen zerknittert. Schließlich wollte ich einen guten Eindruck hinterlassen. Köln war trotz seiner vielen Baustellen schnell umfahren, dann wurde es sehr ländlich. Aber so ist nun mal die Eifel: viel Landschaft, wenig Verkehr. Dann plötzlich vor mir eine Absperrung. Nun gut, folge ich eben eine vorgeschlagene Umleitung… wenn da eine gewesen wäre. Meine App wollte mich ständig zur gesperrten Straße zurückschicken (was ihr auch nach einem großen Umweg durch sehr kleine Dörfer, die wie ausgestorben wirkten, einmal gelang).

Der Zeitvorsprung schmolz dahin. Irgendwann jedoch schaffte ich es trotzdem, die gesperrte Straße zu umfahren. Ich hielt meine Augen offen, denn langsam meldete sich mein Magen. Aber von einem Café, Bäckerei oder gar Tankstelle war nichts zu sehen. Hungrig erreichte ich dann doch irgendwann den Besucherparkplatz.

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Fußweg Radioteleskop

Einige Meter davon entfernt befindet sich eine kleine Gaststätte. Dort bat ich um ein belegtes Käsebrötchen. Die Wirtin hatte aber nicht verstanden, dass ich keine Remoulade haben wollte, und quetschte somit eine volle Ladung davon auf die erste Hälfte des Brötchens. Schnell wies ich auf ihren Fehler hin, sie schaute mich böse an. Ihr Mann riet ihr dann ruhig, mir ein neues zu machen. „Näh!“, schimpfte sie und wollte mit einem Papiertuch die Remoulade vom Käse wischen.

Kurze Zeit später saß ich am Holztisch mit Blick auf das entfernte Teleskop und biss in mein neu belegtes Brötchen. Ich ließ mir mein 4-Euro-Brötchen schmecken…

Dann ging ich zum Parkplatz zurück. In der Mail stand doch als Treffpunkt der Besucherparkplatz, oder? Nachdem ich mir nun mein frisches gebügeltes Hemd angezogen hatte, blickte ich nochmal in meinen Posteingang im Handy. Da stand… Besucherpavillon! Oje, wo ist der denn nun? Meinten die vielleicht die Gaststätte? Meine Uhr verriet mir, dass ich noch 7 Minuten Zeit hatte. An der Gaststätte angekommen, fragte ich den Wirt. Er wies den Weg runter und blaffte: „Da runter! 800 Meter!“

Die Sonne brannte vom wolkenlosen Himmel. Die Luft flimmerte über den heißen Asphalt. Links und rechts der Straße wogen die Grashalme träge vor sich hin, während die Insekten surrend durch die Gegend flogen. Mein schnelles Trapsen und mein keuchender Atem durchbrachen diese Idylle. Noch 4 Minuten… Hinter der nächsten Kurve musste es doch sein? Nein, da war noch eine Kurve. Dann endlich sah ich das kleine Gebäude. Am Eingang stand schon jemand, sah mich mit hochroten Kopf anlaufen, und hielt die Tür auf. Ich bedankte mich leise (hatte keine Luft mehr) und betrat den dunklen Raum. Ich setzte mich gleich auf den ersten Stuhl in der Sitzreihe, stellte meine Fototasche ab und versuchte, keine allzu großen Schweißpfützen zu produzieren. Klappte aber nicht, das Wasser lief ohne Unterlass über meinen ganzen Körper.

Noch gestern hatte ich überlegt, welche Objektive ich für den heutigen Tag mitnehmen sollte. Ich wusste nicht um die Lichtverhältnisse, also entschied ich mich für mein lichtstarkes 17 – 50 mm. Da ich aber auch Teleaufnahmen machen wollte, musste somit auch das 70 – 200 mm (F:2,8) mit. All das hatte natürlich wahnsinnig viel Gewicht. Mit diesen Gedanken schaute ich böse auf meine Kameratasche, während Schweißperlen über meine Nase auf dem Boden tropften. Zuhause lag mein superleichtes Zoomobjektiv (18 – 135 mm). Ich zog mein durchgeschwitztes Hemd aus und knüllte es in den für uns bereitgestellten Jutebeutel. Zum Glück sieht man den Schweiß auf mein schwarzes T-Shirt nicht so…

Der Vortrag begann. Die Einführungsrede hielt Dr. Martin Neumann, Redakteur der Zeitschrift „Sterne und Weltraum“. Er hieß uns alle Willkommen und übergab zügig an Dr. Norbert Junkes vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie. Sein Vortrag war sehr kurzweilig. Er verstand es, wissenschaftliche Fakten mit kleinen amüsanten Geschichten zu verknüpfen, so dass die hierfür anberaumte Stunde wie im Fluge verging.

Inzwischen hatte ich den Großteil meines Wasserhaushaltes ausgeschwitzt und war nunmehr bereit, wie die anderen endlich das Radioteleskop zu besuchen. Wir bekamen noch kleine Plastikkärtchen ausgehändigt, und dann ging es los…

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Mit Karte zum Radioteleskop

Der Weg führte in Schlangenlinien ins Tal. Wir durchquerten einen kleinen Wald. Am Ende konnten wir das durch hohe Zäune abgesperrte Gelände durch ein Tor betreten. Auch hier verstand es Dr. Norbert Junkes uns mit viele Informationen zu füttern.

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Dr. Norbert Junkes

Jetzt kam mein Teleobjektiv zum Einsatz. Ich fotografierte einige Details der Metallkonstuktionen des Teleskopes.

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Es war schon ein tolles Gefühl, dem Teleskop so nahe zu sein. Der „normale“ Besucher hat lediglich die Möglichkeit, dieses von dem Besucherpavillon aus zu bewundern. Jetzt hier im Schatten einiger Bäume mit dem Kopf im Genick zu stehen und es zu bewundern, dafür hatte sich der ganze Aufwand schon gelohnt. Lediglich auf das Schleppen des schweren Teleobjektivs hätte ich verzichten können.

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Radioteleskop Effelsberg

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Selfie mit Teleskop

Kurze Zeit später betraten wir das Kontrollzentrum. Im Flur standen einige technische Exponate, an den Wänden hingen astronomische Bilder.

 

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Konferenzraum

Über eine Treppe gelangten wir ins Allerheiligste, dem Arbeitsplatz der Wissenschaftler (auch wenn die meisten der hier arbeitenden keine Astronomen waren). Besetzt war dieser tatsächlich nur von einer Person, deren Schicht gerade abgelaufen war. Seine Ablösung betrat kurz nach uns den Raum.

Aber was für ein Ausblick! Sicherlich gewöhnte man sich mit der Zeit daran, aber wenn ich da an meinem Bürofenster denke…

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Was für eine Aussicht

Auch hier verging die Zeit wie im Fluge. Schnell noch einige abschließende Aufnahmen gemacht, schon standen wir wieder draußen. Wir schlenderten dem Ausgang des Geländes zu und standen kurze Zeit später wieder am Besucherzentrum. Dort löste sich die Gruppe langsam auf, und auch ich begab mich den langen Weg zurück zum Parkplatz, den ich dank der aggressiven Fliegen (Bremsen?) ziemlich schnell erreichte.

Das Wasser, das ich im meinem Auto vergessen hatte, war mittlerweile sehr warm. Egal, der Ausflug hatte sich gelohnt. Nur das mit meinem Fotoequipment muss ich mir demnächst vorher genausten überlegen.

Mal schauen, was ich als nächstes besuche…

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Meine Website: Baltrusch-Photo

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